Eröffnungsansprache zur Ausstellung „angekommen“

Vom 29. September bis zum 25. 11. findet in der Gemeinschaftsunterkunft in Bergshausen eine Ausstellung des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Regionalverband Kassel statt. Eine sehr interessante Ausstellung an einem besonderen Ort. Ein Besuch kann ich empfehlen. Ich durfte die Eröffnungsansprache halten, die ich hiermit wiedergebe.

Eröffnungansprache
Steffen Andreae
zum Anhören als Audio-Datei

Wie alle Ausstellungen findet auch diese an einem Ort statt. Wüssten wir es nicht, könnte dieser Ort selbst ein Ausstellungsobjekt sein, Denn seine Wirkkraft ist enorm. Die Ausstellungsstücke, die sich darin befinden, müssen sich gegen diesen Rahmen behaupten. Für uns als Betrachtende erzeugt der Raum  elbst eine Linse, durch welche wir in die künstlerische Auseinandersetzung einsteigen. Manche von uns haben solche Räume schon gesehen, andere sind das erste Mal innerhalb der Mauern, in welchen das Ankommen zu einer ganz konkreten Matratze, einem Spind, einem Raum wird. Beide Räume, der große, der die Rahmen beinhaltet und selber einer ist, wie auch der geschaffene, wenige Quadratmeter große Raum sind sehr beeindruckend.

Dieser Raum ist nicht als Heimat gedacht, sondern als Zwischenstation auf einer Reise. Und doch ist er mehr als nur eine kurzer Rastplatz. Er ist auch ein Ort des Ankommens und sicherlich auch der Orientierung für den nächsten Schritt. Aber doch einer, der es verdient, gestaltet zu werden, denn Ankommen heißt auch Gestalten. Und Gestalten heißt auch, dass der Mensch sich wieder konkretisiert. So unterscheiden sich auch Orte dadurch, dass sich darin unsere Persönlichkeit zeigt. Und auch in diesem Sinne wurde jetzt hier in diesem Raum gestaltet.

Dieser Ort war die Fabrikationshalle eines Messebauers. Und so ist dieser Platz nun erneut eine Station auf einer Reise. In einer Fabrikationshalle eines Messebauers werden Messestände gebaut. Diese wiederum werden gebaut, damit Firmen auf Messen Produkte kaufen. Diese Produkte stellen sie in ihre Läden, damit Menschen sie kaufen. Je attraktiver die Stände sind, desto eher rücken sie das Produkt in ein gutes Licht, desto eher wird es gekauft und weiter gekauft und desto mehr trägt es zum Wachstum, zum Wohlstand, zur Konstruktion von Bedürfnissen bei und liefert so einen der Gründe, warum sich Menschen, die aufgebrochen sind, um irgendwo anzukommen, für dieses Land, für diese Stadt, für diese Fabrikationshalle entscheiden.

Zugleich ist das Herstellen von Messeständen ein Bestandteil einer Spirale des Verbrauchs und Verzehrs, des „Mehr“ und des „Weiter“, des „Höher“, des „Reicher“ und damit eben auch der Zerstörung. Es ist Bestandteil einer Spirale, deren sogartige Auswirkungen eben auch sind: Raubbau an der Natur, steigende Meeresspiegel, Landgrabbing, Geschäfte mit Despoten, Ausbeutung. Bestandteil der Spirale, die auch Kassel miteinbezieht, ist die Flucht selbst, ist das Aufbrechen-Müssen, ist das hektische Packen der wenigen Habseligkeiten, ist Trauma, ist Vergewaltigung, ist Sklaverei, ist Flucht in einem vollen Boot über ein stürmisches Meer, ist Frontex, ist Zaun, ist Mauer, ist Verfolgung, ist Angst, ist Ankommen.

Und deshalb ist es gut, dass wir alle jetzt hier stehen, in voller Verantwortung. Denn mit dem Blick hier auf die Fluchtfolgen, mit der künstlerischen Beschäftigung und Auseinandersetzung damit, sehen wir zugleich die Fluchtursachen. Wir wissen. Wir sind unentschuldbar, was diese Kenntnis anbelangt.

Mit den Menschen, die kommen, allein, zu zweit, als Familie, körperlich gesund, krank, innerlich geschunden, verletzt, ängstlich, voller Mut, die einen Rest Kraft zusammenkratzend, psychisch labil, traumatisiert, und immer noch voller Hoffnung, mit den Menschen, die nach ihrer Flucht oder währenddessen, hier landen, mit denen hängen wir zusammen – vor ihrer Flucht, denn wir schaufeln das Grab, aus dem sie steigen, und wir malen das Bild am Horizont, welches sie leitet. Die Dinge hängen zusammen. Wir sind Teil eines Netzes, in dem wir uns verstrickt haben, und wir können uns dem nicht entziehen.

„Ankommen“ – dieses Gegenstück zu „Fortgegangen“.

Wie oft haben wir in den letzten Wochen von der „Bekämpfung der Fluchtursachen“ gehört. Also es  soll, so klingt es zumindest, das bekämpft werden, was Flucht verursacht, weil die eigentliche Hoffnung auch die ist, dass Flucht überhaupt nicht mehr nötig sein wird. Es ist wie mit den Fäden: Die Dinge hängen miteinander zusammen. Unser konkretes Sein hier vor Ort, in dieser Stadt, in diesem Land, unser konkreter Konsum, unsere Weise zu leben, unser Verzehr und unser Verkehr, unser Satt-Sein in dieser Welt ist Fluchtursache.

Die Fluchtursachen schieben sich nicht in den Vordergrund, weil wir alle doch dieses oder das nächste wissen, dass wir auf unsere ganz konkrete Art von Lebensstandard werden verzichten müssen, wenn  wir das irgendwie hinbekommen wollen. Unser Satt-Sein basiert auf Verbrauch, Zerstörung und Ausbeutung. Ohne dass aus Verbrauch Gebrauch wird, ohne dass aus Zerstörung Bewahren und ohne
dass aus Ausbeutung Gleichberechtigung und Wertschätzung wird, bekommen wir die Ursachen nicht in den Griff. Und das sind systemische Fragen. Das sind keine Fragen, die uns die zur Wahl gestanden habenden und stehenden Alternativen beantworten, sondern es sind Fragen der Transzendenz.

Doch bei dieser Erkenntnis sind wir eben noch nicht angekommen. Es ist ja eher so, dass wir Mauern um uns herum bauen, weil wir denken, dann können wir die Tore kontrollieren und entscheiden, wer reinkommt und wer nicht und wer wie lange drin bleibt. Es ist absurd zu glauben, dass innerhalb der Mauer unser heutiger Wohlstand bleiben wird. Wenn wir die Freiheit, die wir genießen, als Teil unseres Wohlstands erklären, dann können wir nicht die Freiheit abschaffen und meinen, der Wohlstand bliebe bestehen. Doch weil wir dieser irrigen Annahme verfallen sind, fallen heute schon Schüsse, denn zuerst kommt der Zaun, dann kommt der Schuss. Schuss und Zaun sind nicht mehr  weg, sondern das ist da! Und so beenden wir diesen satten, historisch einmaligen Glücksmoment nicht nur vor der Mauer für diejenigen, die sich auf den Weg gemacht haben, sondern wir beenden ihn auch innerhalb der Mauern für uns selbst.

Wer Mauern um sich zieht, erhärtet. Wer sie höher baut, erkaltet im Innern.
Wer sie dicker baut, sendet die Kälte in die Welt.

Im Grunde geht um die Frage, die wir auch zukünftig uns selbst zu stellen haben:
Wo und wie denkst du dir die Zukunft, welche Erscheinung gibst du dem, was da auf dich zukommen soll, wie malst du es dir aus, das wünschenswerte Morgen – und was tust du heute, damit es so kommt? Wie gestaltest du? Wie unterstützt du Gestaltung?

Wenn die Flüchtende mit ihren Träumen nicht vor ihrer Zeit ist, wenn der Horizont nur blass ist, nur eine Linie, die nichts sagt, wenn sich die Hoffnungsbilder in einer endlosen Wiederholung nur als Spiegelung vom immer Gleichen zeigen, wenn der Zugang zur Gestaltung sich nicht laut und offensichtlich zeigt und anbietet, sondern wie ein fernes Tor am Horizont nur schemenhaft erscheint, wenn auf der Flucht die Persönlichkeit verschwindet und nur die nackte Existenz den Rest der Individualität darstellt, dann ist selbst die Erfüllung des Erhofften fremdbestimmt und dann wird der Mensch gestaltet, gestaltet aber nicht selbst. Ankommen ist auch die Wiedergewinnung der Gestaltungsmöglichkeit.

Aber auch für uns, die wir das Ankommen gestalten, wie hier konkret in diesen Räumen, gilt: Wenn wir mit unseren Träumen nicht „vor unserer Zeit“ sind, also in Gestaltung, wenn wir also stets im Hier und Jetzt uns aufhalten, dann gewinnt dasjenige, das uns wie ein riesiges Gewicht in den Sessel drückt. Erst einmal gewinnt dann das Bestehende gegen die Veränderung. Das Satt-Sein gewinnt gegen den Hunger.

Doch was sagen satte Menschen, die in einem satten Land leben, hungrigen Menschen? Etwa: „Herzlich willkommen in dieser berauschenden Idylle?“ Keine Bomben schlagen in hörbarer Nähe ein, während wir auf Ausstellungseröffnungen stehen. Aus dem Hahn kommt Wasser und das Licht flackert nicht. Der Strom kommt erwartbar aus der Steckdose. Wenn wir die Suche nach den Fluchtursachen ernst nehmen, dann muss uns gewahr werden: Schon dieses Wenige ist Ausdruck einer ungleichen Verteilung aller Güter auf diesem Planeten. Das ist nicht gottgegeben, sondern das haben wir erreicht, geschaffen, gemacht. Es ist Menschenwerk. Unsere Sattheit hat zum Gegenstück den Hunger auf der Welt. Unser Sattsein hat zum Gegenstück die Flucht und der Nachtisch ist das Ankommen. Es ist das Menü, welches wir bestellt haben und welches uns jetzt manchmal im Hals stecken bleibt. Es ist das Menü, welches wir immer wieder und immer wieder und immer wieder bestellen!

Es braucht nicht viel Nachdenken, um zu erkennen, dass der Umstand, dass es auf der einen Seite die Satten und auf der anderen Seite die Hungernden gibt, dass es auf der einen Seite die Reichen und auf der anderen die Armen gibt, dass es auf der einen Seite diejenigen gibt, die sich mit Mauern schützen, damit sie nichts von dem abgeben müssen, was sie haben, und auf der anderen Seite diejenigen, die die Mauern überwinden müssen, weil ihnen sonst nur noch der Tod Gesellschaft leistet, dass diese Umstände Teil des Problems, wenn nicht sogar Kern der Ursache sind. Es braucht nur Ehrlichkeit, um sich einzugestehen, dass wir diesen Umstand nicht mehr korrigieren können, wenn wir an an den das Elend verursachenden Strukturen nichts verändern, wenn wir hier, wenn wir vor Ort, wenn wir bei uns nichts ändern.

Wer auf seiner Flucht tot am Boden des Meeres angekommen ist, ertränkt die Hoffnung. Hoffnung  wird auf diese Weise ein Gegenstück zur trügerischen Sicherheit, sie ist Bild, sie ist ein bloßes Konstrukt. In der Hoffnung kommt keiner an. Hoffnung ist ein Nährboden, auf dem Zuversicht entstehen kann, auf dem Sperrholzwände zu Räumen gestellt werden, in denen Betten installiert sind, auf denen Decken liegen, die wärmen.

Angekommen. Angekommen? Diese Frage ist eine Handlungsaufforderung, kein Freibrief für das selbstgerechte satte Hoffen in einem Fernsehsessel. Wer nur hofft, bewegt sich nicht, müssen sich die Satten sagen lassen. Wer nur hofft und sich nicht bewegt, verhungert, sagen die Hungernden. Hoffnung ist immer auch Ausdruck mangelnder Gestaltungsmöglichkeit, durch was auch immer diese begrenzt ist.

Diese Ausstellung, jedes einzelne Kunstwerk ist die Auseinandersetzung mit einer Aufgabe, einer der größten, die wir seit Langem zu bewältigen haben. Diese Aufgabe plädiert an unsere Humanität, sie fordert einen Tribut, sie stellt unsere Menschlichkeit ganz grundsätzlich in Frage. So werden wir hier, in unsere eigenen Auseinandersetzung mit dem Raum und der Gestaltung, mit der Kunst und den Aussagen, so werden wir hier durch die Kunst auf uns, unsere Menschlichkeit, unser Gerechtigkeitsgefühl, unsere Verantwortung zurückgeworfen. Darin liegt immer wieder die enorme Kraft von Kunst, dass sie uns nämlich in Beziehung setzen kann mit dem, was sie zeigt. Und sie befragt uns. Heute gibt es keine Mauer, die so hoch wäre, dass wir vor dieser Frage, die in dieser Ausstellung auftaucht, flüchten könnten. Die von uns erzeugte Fluchtrealität in dieser Welt zwingt uns zu einer Antwort: Angekommen?

Sind wir angekommen in einer Zivilisation, die in der Realität das ist, was sie in der Theorie behauptet? Sind wir angekommen in einer Mitmenschlichkeit, die trägt? Sind wir angekommen im Miteinander oder bleiben wir – auf ewig verdammt – in der Logik des Gegeneinanders und des Profits auf Kosten anderer gefangen? Haben wir noch die Hoffnung, dass wir die Hoffnung, die uns begegnet in konkreter Person, durch die Person, der wir diesen kleinen Raum zeigen, diese kleine Kabine, haben wir noch Hoffnung, dass wir zu mehr in der Lage sind, als eben diese Hoffnung zu enttäuschen? Haben wir die Kraft und den Mut, die Hände unseres Gegenüber zu ergreifen, nach seiner Flucht, ihm in die Augen zu sehen und zu sagen: Du bist angekommen!

http://www.bbk-kassel.de/ausstellungen_jahrgaenge/2017/angekommen/Eroeffnungsansprache_Steffen-Andreae.pdf

Leben in der Utopie – Wie Gemeinschaften funktionieren

Die evangelische Akademie Bad Tutzing lud mich für Ende April zu einer Tagung an den Starnberger See ein. Der Bericht der Tagung liegt nun vor und ist unter dem Titel: „Leben in der Utopie – Wie Gemeinschaften funktionieren“ nun online. Das Interview, welches ich während der Tagung gab, könnt ihr ansehen, wenn ihr auf das Bild klickt. Der direkte Link lautet: https://youtu.be/hPlFy99hRjY

tutzing

Erhöhung der Kitagebühren in Vorbereitung – Neues vom „Bürgerhaushalt“

schubalu_pixelio.de

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Mittlerweile tagt in Kaufungen der nicht öffentliche Arbeitskreis, der sich vermutlich im Februar auf die Erhöhung der Kitagebühren einigen wird. Dieser nicht öffentliche Arbeitskreis ist nach der Vorstellung der SPD und der Mehrheit der Gemeindevertretung Teil des Bürgerhaushaltes. Wie Steffen Andreae in der Sitzung des Ausschusses Jugend Sport Soziales Kultur (JSSK) schon deutlich machte, wird in diesem Arbeitskreis der Wille der Wählerinnen und Wähler nicht respektiert. Das lässt sich leicht an der Zusammensetzung darstellen. So haben die Wählerinnen und Wähler zwar die Grünen mit zwei Sitzen in die Gemeindevertretung geschickt und die Grüne Linke Liste Kaufungen mit vier. Doch im Arbeitskreis sitzen die Grünen mit zwei Personen und die GLLK mit einer. Auch die SPD ist stärker vertreten als die Wählerinnen und Wähler das wollten. Aber wen kümmerts?

Nun könnte man ja auch so argumentieren und so wurde in der schon erwähnten Sitzung des JSSK auch argumentiert: Da es das Ziel ist, Lösungsvorschläge konsensual zu erarbeiten, spielt es ja keine Rolle, wie die Sitzverteilung ist. Konsens bedeutet einvernehmliche Einigung. Zu dieser gehört ein Diskussionsprozess und für diesen ist die Zusammensetzung des Gremiums wichtig und aus Sicht der GLLK ist auch die Achtung des Wählerwillens wichtig. Bei einer einvernehmlichen Lösung ist keine der beteiligten Personen gegen eine erzielte Einigung. Da das ein schwerer Weg sein kann, wird mitunter dazu übergegangen, den Zwang zur Einstimmigkeit abzuschwächen. In der Größenordnung des Arbeitskreises könnte das auch bedeuten, sich auf einen Konsens minus 1 oder sogar auf einen Konsens minus 2 zu einigen. Dann wäre auch ein Konsens erzielt, wenn zwei Personen gegen diesen votieren würden. Keinesfalls wäre es z.B. eine konsensuale Lösung, wenn sich nur die knappe Mehrheit oder auch 2/3 des Arbeitskreises auf eine Lösung verständigen würden. Sollte sich also der Arbeitskreis darauf verständigen, den Konsens zu verlassen und z.B. mit einer 2/3 Mehrheit zufrieden sein, dann wurde der Wählerwiller bewusst missachtet, was aber vermutlich auch niemand kümmert. So funktioniert eben Politik aus der Mehrheit heraus und diese Art der Politik ist auch die Basis für die Unzufriedenheit mit der Politik insgesamt. Wir sollten uns dann also auch nicht wundern, wenn sich noch mehr Menschen von der Politik abwenden würden, denn an sie glauben wäre ja auch angesichts solcher Vorgehensweisen wirklich ein großer Fehler.

Was ist davon  zu halten, dass dieser Arbeitskreis als Teil des Bürgerhaushaltes zu verstehen sein soll. Da die Definition von Bürgerhaushalt nicht eindeutig ist, obgleich selbst dem politischen Laien sofort in den Sinn kommt, dass es sich um öffentliche Veranstaltungen handeln muss, wurde ein Forschungsprojekt „Europäische Bürgerhaushalte“ ins Leben gerufen, welches sich auf ein paar Kriterien einigte. Die Einigung sieht 6 Kriterien vor. 1. Es nehmen Bürgerinnen und Bürger ohne politisches Mandat teil. (Diese ist für Kaufungen wichtig, da hier immer noch manche Politikerinnen und Politiker davon ausgehen, dass es sich bei den Gemeindevertreterinnen und –vertretern doch auch um Bürger handelt und damit die Gemeindevertretung selbst eine Bürgerbeteiligung sei.) 2. Es geht um finanzielle Aspekte, was in der besagten Angelegenheit der Fall ist. 3. Die Beteiligung findet auf der Ebene der gesamten Gemeinde statt 4. Es handelt sich um einen auf Dauer angelegten Prozess. 5. Die Beratung und die Entscheidung beruht auf einem Diskussionsprozess im Rahmen besonderer Treffen. Die Öffnung bestehender Verfahren der repräsentativen Demokratie gegenüber „normalen“ Bürgern ist kein Bürgerhaushalt. 6. Es gibt eine Rechenschaftspflicht der Organisatoren.

Der Anspruch des Antrags war ja, einen offenen Prozess zu ermöglichen. Nur ergebnisoffen wird er nicht sein. Auch wenn noch getagt wird: Der Arbeitskreis wird dem Elternbeirat vorschlagen, die Kitagebühren zu erhöhen. Die Kitastunde kostet derzeit 1,10 €. Nach den Sitzungen werden es dann 1,30 oder 1,40 Euro sein. Die SPD will die Kitagebühren ja bundesweit 2025 wieder abschaffen, es geht also um eine Erhöhung für die nächsten 9 Jahre – natürlich nur, wenn Sie die Ankündigung der SPD nicht für einen der üblichen Kurz-Vor-Der-Wahl-Witze halten. Da die Erhöhung der Elternbeiträge nicht reichen wird, wird die Gemeinde aus irgendwelchen Überschüssen, die jetzt gerade zufälligerweise entstanden sind, zuschießen und so für ein oder zwei Jahre die Finanzierung stemmen können. Dann steht die nächste Erhöhung der Elternbeiträge an und am Ende, da dann der Puffer aufgebraucht sein wird, wird auch über die Erhöhung der Grundsteuern diskutiert werden. Dies wäre dann aber so oder so fällig, da sich die Finanzmisere der Gemeinde nicht grundlegend verändern wird.

Eine Stadt ackert solidarisch – ein Beitrag von Future Zwei

Dieser Beitrag von Neela Jannsen ist aus dem Newsletter von Future Zwei und könnte auch eine Anregung für Kaufungen sein. Zum einen gibt es, viele Kaufunger*innen profitieren schon davon, schon eine Solidarische Landwirtschaft, zum anderen haben wir ja noch den ein oder anderen Betrieb hier, der sich eventuell für neue Vermarktungskonzepte interessiert. Mit großen Läden und noch mehr Bestellungen über das Internet tragen wir eben bei zum weiteren Sterben der Bauernhöfe und geben damit einen Teil unserer Kultur freiwillig her. Dass eine Gemeinde durchaus selbst aktiv werden könnte, zeigt das Beispiel der Stadt Nürnberg. Da muss die Politik und die Verwaltung eben wirklich einen Wechsel wollen und bereit sein, die Gemeinde zukunftsfähig aufzustellen, sonst wird das natürlich nichts. Aber gut ist es auch, wenn sich die Bürger*innen klar und laut äußern und auch hier sind wir in Kaufungen eher von der leisen Sorte. Das ist schade und am Ende wohl auch unverzeihlich.

Initiativen solidarischer Landwirtschaft, sogenannte SoLaWis, sind in ganz Deutschland en vogue. Doch bislang nur in Nürnberg ist es die Kommune selbst, die Landwirte und Stadtbewohnerinnen zusammenbringt.
Freitagfrüh auf dem Nürnberger Hauptmarkt: Einige Bauern bauen ihre Marktstände auf, es riecht nach Sauerkraut, und die Sonne bescheint den pompösen Schönen Brunnen, die Frauenkirche und das Rathaus. Dort ist die Stimmung ausgelassen, denn Freitag ist Hochzeitstag: Ein Brautpaar gibt dem anderen die Klinke in die Hand.

Im ersten Stock, direkt gegenüber des Standesamtes, sitzt Werner Ebert in seinem Büro. Durch die Tür dringt das fröhliche Lärmen der Heiratenden und der Drachenbaum in einer Ecke des Raumes sieht aus, wie eine Bürotopfpflanze auszusehen hat. Ebert hingegen wirkt mit seiner Lederjacke, dem weiß melierten Bart und seiner gelassenen Art nicht wie ein Bürokrat alter Schule. Das ist er auch nicht: Er hat über seine Dienstjahre hinweg zahlreiche Projekte initiiert, auf die die Stadt Nürnberg stolz ist. Dass es sich dabei immer auch um Nachhaltigkeit und ökologische Landwirtschaft dreht, verraten die bunten Plakate an den Wänden und die Flyer vor seinem Büro; der schönste ist aus dickem, matten Papier und verkündet: „Stadt, Land, …Beides.“ Dahinter verbirgt sich die Initiative für Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) in Nürnberg, die genau das versucht: Stadt- und Landmenschen über eine gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft zu verbandeln.

Das Prinzip der SoLaWi folgt der Idee, Verbraucher und Erzeugerinnen in direkten Kontakt miteinander zu bringen: Erstere verpflichten sich dazu, über ein halbes oder ein ganzes Jahr die Produkte eines landwirtschaftlichen Betriebs abzunehmen. Der produzierende Hof erhält die Sicherheit, die angebauten Lebensmittel zu einem festgelegten Preis abgeben zu können. Im Gegenzug bietet er den Abnehmern Einblick und Einfluss in die Herstellung ihrer Lebensmittel. Das Konzept ist inzwischen in ganz Deutschland verbreitet.

Dass eine SoLaWi ausgerechnet von einer Stadtverwaltung initiiert wird, und nicht von Höfen oder Stadtbewohnern, das gab es noch nie. In Nürnberg aber fiel die Idee auf guten Boden: Bereits 2003 beschloss der Stadtrat, Nürnberg zur BioMetropole umzugestalten – zu einer Großstadt, die immer auf der Suche nach Ideen ist, sich nachhaltiger und ökologischer zu versorgen. Dafür schuf er eine eigene Stelle; als ihr Inhaber hält Werner Ebert, der aus einer anderen Abteilung auf diese Stelle wechselte, stets Augen und Ohren nach neuen Modellen offen.

Als 2007 der Film „Farmer John – Mit Mistgabel und Federboa“ in Nürnberg ins Kino kommt, reist der Großfarmer John Peterson in die fränkische Metropole und diskutiert mit Hans Meyer, dem damaligen Trainer des 1. FC Nürnberg, über Landwirtschaft und alternative Vermarktungsstrategien. So exotisch wie die Kombination der Gesprächspartner erscheint Ebert damals auch noch die Idee der SoLaWi, über die auf dem Podium gesprochen wird. Erst 2013, als das Interesse an regionalen und ökologischen Lebensmitteln plötzlich steigt und der Freistaat Bayern beschließt, bis 2020 den Anteil des Ökolandbaus verdoppeln zu wollen, denkt Ebert daran zurück – und entscheidet sich, in der fränkischen BioMetropole den Samen für eine SoLaWi zu legen.

Rund 100 Interessierte kommen bereits zur ersten Informationsveranstaltung im November 2013, um den Erfahrungsberichten anderer SoLaWi-Projekte zu lauschen und Ökohöfe aus der Region kennenzulernen. Nur wenige Treffen später haben sich genügend Menschen gefunden, die die Initiative unterstützen wollen. Sie nennen sich Ernteteilerinnen und Ernteteiler und können sich schon im Herbst 2014 über die ersten Gemüselieferungen freuen.

Im „fränkischen Modell“ der SoLaWi nutzen fünf unterschiedliche Höfe die Verteilerstruktur. Vom Gemüseanbau bis zur Haltung gefährdeter Schafrassen, der Spezialisierung auf Urgetreide bis zur Schweinehaltung hat jeder Hof seinen eigenen Schwerpunkt. Und auch seine eigenen Anliegen: „Die unterschiedlichen Wünsche und Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach“, lacht Ebert.

Da ist beispielsweise Herr Dollinger. Da er keine Nachkommen hat, die den Hof übernehmen könnten, möchte er seinen kompletten Betrieb auf SoLaWi umstellen. Dann könnten über den Beitrag der Ernteteilerinnen Personen bezahlt werden, die den Hof bewirtschaften. Die aktuell ungefähr 100 SoLaWi-Beteiligten reichen dafür aber noch nicht aus: 200 bis 300 feste Abnehmer wären nötig, um den kompletten Hofbetrieb umstellen zu können. Die Schweinehalter vom Krämerhof sehen einen anderen Vorteil in den festen Mitgliedern: Sie können nun ein Schwein jeweils dann schlachten, wenn es auch genug Interessenten gibt, unter denen das Fleisch aufgeteilt wird.

Um die Verteilung der Produkte kümmern sich die Ernteteiler selbst: Über ganz Nürnberg verstreut gibt es Depots, an denen die Lebensmittel abgeholt werden können. Etwa 25 Personen übernehmen den Transport von den Höfen zu den Abholstellen und pflegen die Depots.

Auch ein Gewächshaus wurde mithilfe der Ernteteilerinnen bereits finanziert und gebaut, das ein kleiner Familienbetrieb nicht selbst hätte bezahlen können. Für die Abnehmerinnen bedeuten solche Investitionen eine vielfältigere Produktpalette; die Erzeuger können die Sortenvielfalt auf ihren Höfen erweitern, was auch der Natur gefällt. „Wir haben zu Hause noch nie so viel Kohl gegessen wie im ersten Winter“, lacht Werner Ebert, der selbstverständlich auch Mitglied der SoLaWi ist.

Heute aber hat er jeden Grund dazu, entspannt und zufrieden in die Zukunft zu blicken. Mit der Gründung eines Vereins im April 2016 liegt das Projekt nun fast vollständig in den Händen der fleißigen Ernteteiler und Enteteilerinnen. Die Stadt Nürnberg steht als Kooperationspartner im Hintergrund; sie wirbt und vernetzt wohlwollend weiter.

Für die Zukunft seiner Initiative hat Ebert dennoch Vorstellungen: 500 Menschen als Mitglieder zu gewinnen sei durchaus ein Ziel. Ansonsten bleibt er wie immer gelassen, auch bei dem Gedanken daran, dass „Stadt, Land,…Beides.“ dem Nest entschlüpft ist und fliegen lernt – schließlich warten auf ihn schon neue Projekte. Allen voran die Etablierung eines Netzwerks für Biostädte: Schon seit ein paar Jahren finden dazu Treffen statt, doch nun wird ein Leitfaden erarbeitet, der ermöglichen soll, erfolgreiche Projekte auch in andere Städte zu tragen. Und während die Oberbürgermeister und -meisterinnen ihr gemeinsames Engagement symbolisch vor der Presse besiegeln, ist Ebert bereits fleißig auf der Suche nach neuen Wegen, die Versorgung der fränkischen Metropole nachhaltiger zu gestalten.

An besagtem Freitag jedenfalls geht in Nürnberg alles seinen gewohnten Gang. Ein weiteres Brautpaar stellt sich zum Foto auf. Die Sonne steht inzwischen hoch über dem Hauptmarkt und die Figuren glitzern golden von der Kirchenfassade. Nur der Sauerkrautgeruch ist verschwunden. Stattdessen duftet es süßlich vom nahestehenden Lebkuchenstand herüber. Auch er wirbt mit der Regionalität seiner Produkte: Schließlich werden hier nur Original Nürnberger Lebkuchen angeboten. Einzig über ihre Saisonalität lässt sich Anfang Februar streiten.

Die Ansprache des Papstes bei der Verleihung des Karlspreises (6. Mai 2016)

Juansantiagoc

Juansantiagoc

Nun, es ist ja wirklich nicht so recht bekannt, welche Menschen denken, dass der Papst einfach nur weiter blicken kann als viele Politiker*innen und Stammtischakteure. Oder aber wieviele Menschen der Ansicht sind, dass der Papst einfach nur ein Rad ab hat angesichts seiner permanenten Mahnung, doch unser Wirtschaftssystem zu ändern. Manche werden sich erinnern, dass es Nasenrümpfen gab als ich in der Gemeindevertretung ein längeres Zitat von Papst Franziskus zum besten gab. Nur warum, das hab ich nicht verstanden. Wirklich nur, weil wir alle unsere Handeln ändern müssten, wenn wir glaubten, was er sagt?

Die Ansprache des Papstes bei der Verleihung des Karlspreises, am 6. Mai 2016, im Vatikan im Wortlaut:

Sehr verehrte Gäste,

herzlich heiße ich Sie willkommen und danke Ihnen, dass Sie da sind. Ein besonderer Dank gilt den Herren Marcel Philipp, Jürgen Linden, Martin Schulz, Jean-Claude Juncker und Donald Tusk für ihre freundlichen Worte. Ich möchte noch einmal meine Absicht bekräftigen, den ehrenvollen Preis, mit dem ich ausgezeichnet werde, Europa zu widmen: Wir wollen die Gelegenheit ergreifen, über dieses festliche Ereignis hinaus gemeinsam einen neuen kräftigen Schwung für diesen geliebten Kontinent zu wünschen.

Die Kreativität, der Geist, die Fähigkeit, sich wieder aufzurichten und aus den eigenen Grenzen hinauszugehen, gehören zur Seele Europas. Im vergangenen Jahrhundert hat es der Menschheit bewiesen, dass ein neuer Anfang möglich war: Nach Jahren tragischer Auseinandersetzungen, die im furchtbarsten Krieg, an den man sich erinnert, gipfelten, entstand mit der Gnade Gottes etwas in der Geschichte noch nie dagewesenes Neues. Schutt und Asche konnten die Hoffnung und die Suche nach dem Anderen, die im Herzen der Gründerväter des europäischen Projekts brannten, nicht auslöschen. Sie legten das Fundament für ein Bollwerk des Friedens, ein Gebäude, das von Staaten aufgebaut ist, die sich nicht aus Zwang, sondern aus freier Entscheidung für das Gemeinwohl zusammenschlossen und dabei für immer darauf verzichtet haben, sich gegeneinander zu wenden. Nach vielen Teilungen fand Europa endlich sich selbst und begann sein Haus zu bauen.

Diese »Familie von Völkern«[1], die in der Zwischenzeit lobenswerterweise größer geworden ist, scheint in jüngster Zeit die Mauern dieses gemeinsamen Hauses, die mitunter in Abweichung von dem glänzenden Projektentwurf der Väter errichtet wurden, weniger als sein Eigen zu empfinden. Jenes Klima des Neuen, jener brennende Wunsch, die Einheit aufzubauen, scheinen immer mehr erloschen. Wir Kinder dieses Traumes sind versucht, unseren Egoismen nachzugeben, indem wir auf den eigenen Nutzen schauen und daran denken, bestimmte Zäune zu errichten. Dennoch bin ich überzeugt, dass die Resignation und die Müdigkeit nicht zur Seele Europas gehören und dass auch die »Schwierigkeiten zu machtvollen Förderern der Einheit werden können«[2].

Im Europäischen Parlament habe ich mir erlaubt, von Europa als Großmutter zu sprechen. Zu den Europaabgeordneten sagte ich, dass von verschiedenen Seiten der Gesamteindruck eines müden und gealterten Europa, das nicht fruchtbar und lebendig ist, zugenommen hat, wo die großen Ideale, welche Europa inspiriert haben, ihre Anziehungskraft verloren zu haben scheinen; ein heruntergekommenes Europa, das seine Fähigkeit, etwas hervorzubringen und zu schaffen, verloren zu haben scheint. Ein Europa, das versucht ist, eher Räume zu sichern und zu beherrschen, als Inklusions- und Transformationsprozesse hervorzubringen; ein Europa, das sich „verschanzt“, anstatt Taten den Vorrang zu geben, welche neue Dynamiken in der Gesellschaft fördern – Dynamiken, die in der Lage sind, alle sozialen Handlungsträger (Gruppen und Personen) bei der Suche nach neuen Lösungen der gegenwärtigen Probleme einzubeziehen und dazu zu bewegen, auf dass sie bei wichtigen historischen Ereignissen Frucht bringen. Ein Europa, dem es fern liegt, Räume zu schützen, sondern das zu einer Mutter wird, die Prozesse hervorbringt (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 223).

Was ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit? Was ist mit dir los, Europa, du Heimat von Dichtern, Philosophen, Künstlern, Musikern, Literaten? Was ist mit dir los, Europa, du Mutter von Völkern und Nationen, Mutter großer Männer und Frauen, die die Würde ihrer Brüder und Schwestern zu verteidigen und dafür ihr Leben hinzugeben wussten?

Der Schriftsteller Elie Wiesel, Überlebender der Nazi-Vernichtungslager, sagte, dass heute eine „Transfusion des Gedächtnisses“ grundlegend ist. Es ist notwendig, „Gedächtnis zu halten“, ein wenig von der Gegenwart Abstand zu nehmen, um der Stimme unserer Vorfahren zu lauschen. Das Gedächtnis wird uns nicht nur erlauben, nicht dieselben Fehler der Vergangenheit zu begehen (vgl. Evangelii gaudium, 108), sondern gibt uns auch Zutritt zu den Errungenschaften, die unseren Völkern geholfen haben, die historischen Kreuzungswege, denen sie begegneten, positiv zu beschreiten. Die Transfusion des Gedächtnisses befreit uns von der oft attraktiveren gegenwärtigen Tendenz, hastig auf dem Treibsand unmittelbarer Ergebnisse zu bauen, die »einen leichten politischen Ertrag schnell und kurzlebig erbringen [könnten], aber nicht die menschliche Fülle aufbauen« (ebd., 224).

Zu diesem Zweck wird es uns gut tun, die Gründerväter Europas in Erinnerung zu rufen. Sie verstanden es, in einem von den Wunden des Krieges gezeichneten Umfeld nach alternativen, innovativen Wegen zu suchen. Sie hatten die Kühnheit, nicht nur von der Idee Europa zu träumen, sondern wagten, die Modelle, die bloß Gewalt und Zerstörung hervorbrachten, radikal zu verändern. Sie wagten, nach vielseitigen Lösungen für die Probleme zu suchen, die nach und nach von allen anerkannt wurden.

Robert Schuman sagte bei dem Akt, den viele als die Geburtsstunde der ersten europäischen Gemeinschaft anerkennen: »Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen.«[3] Gerade jetzt, in dieser unserer zerrissenen und verwundeten Welt, ist es notwendig, zu dieser Solidarität der Tat zurückzukehren, zur selben konkreten Großzügigkeit, der auf den Zweiten Weltkrieg folgte, denn – wie Schuman weiter ausführte – »Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen.«[4] Die Pläne der Gründerväter, jener Herolde des Friedens und Propheten der Zukunft, sind nicht überholt: Heute mehr denn je regen sie an, Brücken zu bauen und Mauern einzureißen. Sie scheinen einen eindringlichen Aufruf auszusprechen, sich nicht mit kosmetischen Überarbeitungen oder gewundenen Kompromissen zur Verbesserung mancher Verträge zufrieden zu geben, sondern mutig neue, tief verwurzelte Fundamente zu legen. Wie Alcide De Gasperi sagte: »Von der Sorge um das Gemeinwohl unserer europäischen Vaterländer, unseres Vaterlandes Europa gleichermaßen beseelt, müssen alle ohne Furcht eine konstruktive Arbeit wieder neu beginnen, die alle unsere Anstrengungen einer geduldigen und dauerhaften Zusammenarbeit erfordert.«[5]

Diese Übertragung des Gedächtnisses macht es uns möglich, uns von der Vergangenheit inspirieren zu lassen, um mutig dem vielschichtigen mehrpoligen Kontext unserer Tage zu begegnen und dabei entschlossen die Herausforderung anzunehmen, die Idee Europa zu „aktualisieren“ – eines Europa, das imstande ist, einen neuen, auf drei Fähigkeiten gegründeten Humanismus zur Welt zu bringen: Fähigkeit zur Integration, Fähigkeit zum Dialog und Fähigkeit, etwas hervorzubringen.

Fähigkeit zur Integration

Erich Przywara fordert uns mit seinem großartigen Werk Idee Europa heraus, sich die Stadt als eine Stätte des Zusammenlebens verschiedener Einrichtungen auf unterschiedlichen Ebenen vorzustellen. Er kannte jene reduktionistische Tendenz, die jedem Versuch, das gesellschaftliche Gefüge zu denken und davon zu träumen, innewohnt. Die vielen unserer Städte innewohnende Schönheit verdankt sich der Tatsache, dass es ihnen gelungen ist, die Unterschiede der Epochen, Nationen, Stile, Visionen in der Zeit zu bewahren. Es genügt, auf das unschätzbare kulturelle Erbe Roms zu schauen, um noch einmal zu bekräftigen, dass der Reichtum und der Wert eines Volkes eben darin wurzelt, alle diese Ebenen in einem gesunden Miteinander auszudrücken zu wissen. Die Reduktionismen und alle Bestrebungen zur Vereinheitlichung – weit entfernt davon, Wert hervorzubringen – verurteilen unsere Völker zu einer grausamen Armut: jene der Exklusion. Und weit entfernt davon, Größe, Reichtum und Schönheit mit sich zu bringen, ruft die Exklusion Feigheit, Enge und Brutalität hervor. Weit entfernt davon, dem Geist Adel zu verleihen, bringt sie ihm Kleinlichkeit.

Die Wurzeln unserer Völker, die Wurzeln Europas festigten sich im Laufe seiner Geschichte. Dabei lernte es, die verschiedensten Kulturen, ohne sichtliche Verbindung untereinander, in immer neuen Synthesen zu integrieren. Die europäische Identität ist und war immer eine dynamische und multikulturelle Identität.

Die Politik weiß, dass sie vor dieser grundlegenden und nicht verschiebbaren Arbeit der Integration steht. Wir wissen: »Das Ganze ist mehr als der Teil, und es ist auch mehr als ihre einfache Summe.« Dafür muss man immer arbeiten und »den Blick ausweiten, um ein größeres Gut zu erkennen, das uns allen Nutzen bringt« (Evangelii gaudium, 235). Wir sind aufgefordert, eine Integration zu fördern, die in der Solidarität die Art und Weise findet, wie die Dinge zu tun sind, wie Geschichte gestaltet werden soll. Es geht um eine Solidarität, die nie mit Almosen verwechselt werden darf, sondern als Schaffung von Möglichkeiten zu sehen ist, damit alle Bewohner unserer – und vieler anderer – Städte ihr Leben in Würde entfalten können. Die Zeit lehrt uns gerade, dass die bloß geographische Eingliederung der Menschen nicht ausreicht, sondern dass die Herausforderung in einer starken kulturellen Integration besteht.

Auf diese Weise wird die Gemeinschaft der europäischen Völker die Versuchung überwinden können, sich auf einseitige Paradigmen zurückzuziehen und sich auf „ideologische Kolonialisierungen“ einzulassen. So wird sie vielmehr die Größe der europäischen Seele wiederentdecken, die aus der Begegnung von Zivilisationen und Völkern entstanden ist, die viel weiter als die gegenwärtigen Grenzen der Europäischen Union geht und berufen ist, zum Vorbild für neue Synthesen und des Dialogs zu werden. Das Gesicht Europas unterscheidet sich nämlich nicht dadurch, dass es sich anderen widersetzt, sondern dass es die Züge verschiedener Kulturen eingeprägt trägt und die Schönheit, die aus der Überwindung der Beziehungslosigkeit kommt. Ohne diese Fähigkeit zur Integration werden die einst von Konrad Adenauer gesprochenen Worte heute als Prophezeiung der Zukunft erklingen: »Die Zukunft der abendländischen Menschheit [ist] durch nichts, aber auch durch gar nichts, durch keine politische Spannung so sehr gefährdet wie durch die Gefahr der Vermassung, der Uniformierung des Denkens und Fühlens, kurz, der gesamten Lebensauffassung und durch die Flucht aus der Verantwortung, aus der Sorge für sich selbst.«[6]

Die Fähigkeit zum Dialog

Wenn es ein Wort gibt, das wir bis zur Erschöpfung wiederholen müssen, dann lautet es Dialog. Wir sind aufgefordert, eine Kultur des Dialogs zu fördern, indem wir mit allen Mitteln Instanzen zu eröffnen suchen, damit dieser Dialog möglich wird und uns gestattet, das soziale Gefüge neu aufzubauen. Die Kultur des Dialogs impliziert einen echten Lernprozess sowie eine Askese, die uns hilft, den Anderen als ebenbürtigen Gesprächspartner anzuerkennen, und die uns erlaubt, den Fremden, den Migranten, den Angehörigen einer anderen Kultur als Subjekt zu betrachten, dem man als anerkanntem und geschätztem Gegenüber zuhört. Es ist für uns heute dringlich, alle sozialen Handlungsträger einzubeziehen, um »eine Kultur, die den Dialog als Form der Begegnung bevorzugt,« zu fördern, indem wir »die Suche nach Einvernehmen und Übereinkünften [vorantreiben], ohne sie jedoch von der Sorge um eine gerechte Gesellschaft zu trennen, die erinnerungsfähig ist und niemanden ausschließt« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 239). Der Frieden wird in dem Maß dauerhaft sein, wie wir unsere Kinder mit den Werkzeugen des Dialogs ausrüsten und sie den „guten Kampf“ der Begegnung und der Verhandlung lehren. Auf diese Weise werden wir ihnen eine Kultur als Erbe überlassen können, die Strategien zu umreißen weiß, die nicht zum Tod, sondern zum Leben, nicht zur Ausschließung, sondern zur Integration führen.

Diese Kultur des Dialogs, die in alle schulischen Lehrpläne als übergreifende Achse der Fächer aufgenommen werden müsste, wird dazu verhelfen, der jungen Generation eine andere Art der Konfliktlösung einzuprägen als jene, an die wir sie jetzt gewöhnen. Heute ist es dringend nötig, „Koalitionen“ schaffen zu können, die nicht mehr nur militärisch oder wirtschaftlich, sondern kulturell, erzieherisch, philosophisch und religiös sind. Koalitionen, die herausstellen, dass es bei vielen Auseinandersetzungen oft um die Macht wirtschaftlicher Gruppen geht. Es braucht Koalitionen, die fähig sind, das Volk vor der Benutzung durch unlautere Ziele zu verteidigen. Rüsten wir unsere Leute mit der Kultur des Dialogs und der Begegnung aus.

Die Fähigkeit, etwas hervorzubringen

Der Dialog und alles, was er mit sich bringt, erinnern uns daran, dass keiner sich darauf beschränken kann, Zuschauer oder bloßer Beobachter zu sein. Alle, vom Kleinsten bis zum Größten, bilden einen aktiven Part beim Aufbau einer integrierten und versöhnten Gesellschaft. Diese Kultur ist möglich, wenn alle an ihrer Ausgestaltung und ihrem Aufbau teilhaben. Die gegenwärtige Situation lässt keine bloßen Zaungäste der Kämpfe anderer zu. Sie ist im Gegenteil ein deutlicher Appell an die persönliche und soziale Verantwortung.

In diesem Sinne spielen unsere jungen Menschen eine dominierende Rolle. Sie sind nicht die Zukunft unserer Völker, sie sind ihre Gegenwart. Schon heute schmieden sie mit ihren Träumen und mit ihrem Leben den europäischen Geist. Wir können nicht an ein Morgen denken, ohne dass wir ihnen eine wirkliche Teilhabe als Träger der Veränderung und des Wandels anbieten. Wir können uns Europa nicht vorstellen, ohne dass wir sie einbeziehen und zu Protagonisten dieses Traums machen.

Kürzlich habe ich über diesen Aspekt nachgedacht, und ich habe mich gefragt: Wie können wir unsere jungen Menschen an diesem Aufbau teilhaben lassen, wenn wir ihnen die Arbeit vorenthalten? Wenn wir ihnen keine würdige Arbeiten geben, die ihnen erlauben, sich mit Hilfe ihrer Hände, ihrer Intelligenz und ihren Energien zu entwickeln? Wie können wir behaupten, ihnen die Bedeutung von Protagonisten zuzugestehen, wenn die Quoten der Arbeitslosigkeit und der Unterbeschäftigung von Millionen von jungen Europäern ansteigen? Wie können wir es vermeiden, unsere jungen Menschen zu verlieren, die auf der Suche nach Idealen und nach einem Zugehörigkeitsgefühl schließlich anderswohin gehen, weil wir ihnen hier in ihrem Land keine Gelegenheiten und keine Werte zu vermitteln vermögen?

»Die gerechte Verteilung der Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit ist keine bloße Philanthropie. Es ist eine moralische Pflicht«[7]. Wenn wir unsere Gesellschaft anders konzipieren wollen, müssen wir würdige und lukrative Arbeitsplätze schaffen, besonders für unsere jungen Menschen.

Das erfordert die Suche nach neuen Wirtschaftsmodellen, die in höherem Maße inklusiv und gerecht sind. Sie sollen nicht darauf ausgerichtet sein, nur einigen wenigen zu dienen, sondern vielmehr dem Wohl jedes Menschen und der Gesellschaft. Und das verlangt den Übergang von einer „verflüssigten“ Wirtschaft zu einer sozialen Wirtschaft. Ich denke zum Beispiel an die soziale Marktwirtschaft, zu der auch meine Vorgänger ermutigt haben (vgl. Johannes Paul II. Ansprache an den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, 8. November 1990). Es ist nötig, von einer Wirtschaft, die auf den Verdienst und den Profit auf der Basis von Spekulation und Darlehen auf Zinsen zielt, zu einer sozialen Wirtschaft überzugehen, die in die Menschen investiert, indem sie Arbeitsplätze und Qualifikation schafft.

Von einer „verflüssigten“ Wirtschaft, die dazu neigt, Korruption als Mittel zur Erzielung von Gewinnen zu begünstigen, müssen wir zu einer sozialen Wirtschaft gelangen, die den Zugang zum Land und zum Dach über dem Kopf garantiert. Und dies mittels der Arbeit als dem Umfeld, in dem die Menschen und die Gemeinschaften »viele Dimensionen des Lebens ins Spiel [bringen können]: die Kreativität, die Planung der Zukunft, die Entwicklung der Fähigkeiten, die Ausübung der Werte, die Kommunikation mit den anderen, eine Haltung der Anbetung. In der weltweiten sozialen Wirklichkeit von heute ist es daher über die begrenzten Interessen der Unternehmen und einer fragwürdigen wirtschaftlichen Rationalität hinaus notwendig, ‚dass als Priorität weiterhin das Ziel verfolgt wird, allen Zugang zur Arbeit zu verschaffen‘[8]« (Enzyklika Laudato si‘, 127).

Wenn wir eine menschenwürdige Zukunft anstreben wollen, wenn wir eine friedliche Zukunft für unsere Gesellschaft wünschen, können wir sie nur erreichen, indem wir auf die wahre Inklusion setzen: »die, welche die würdige, freie, kreative, beteiligte und solidarische Arbeit gibt«[9]. Dieser Übergang (von einer „verflüssigten“ zu einer sozialen Wirtschaft) vermittelt nicht nur neue Perspektiven und konkrete Gelegenheiten zur Integration und Inklusion, sondern eröffnet uns von neuem die Fähigkeit von jenem Humanismus zu träumen, dessen Wiege und Quelle Europa einst war.

Am Wiederaufblühen eines zwar müden, aber immer noch an Energien und Kapazitäten reichen Europas kann und soll die Kirche mitwirken. Ihre Aufgabe fällt mit ihrer Mission zusammen, der Verkündigung des Evangeliums. Diese zeigt sich heute mehr denn je vor allem dahin, dass wir dem Menschen mit seinen Verletzungen entgegenkommen, indem wir ihm die starke und zugleich schlichte Gegenwart Christi bringen, seine tröstende und ermutigende Barmherzigkeit. Gott möchte unter den Menschen wohnen, aber das kann er nur mit Männern und Frauen erreichen, die – wie einst die großen Glaubensboten des Kontinents – von ihm angerührt sind und das Evangelium leben, ohne nach etwas anderem zu suchen. Nur eine Kirche, die reich an Zeugen ist, vermag von neuem das reine Wasser des Evangeliums auf die Wurzeln Europas zu geben. Dabei ist der Weg der Christen auf die volle Gemeinschaft hin ein großes Zeichen der Zeit, aber auch ein dringendes Erfordernis, um dem Ruf des Herrn zu entsprechen, dass alle eins sein sollen (vgl. Joh 17,21).

Mit dem Verstand und mit dem Herz, mit Hoffnung und ohne leere Nostalgien, als Sohn, der in der Mutter Europa seine Lebens- und Glaubenswurzeln hat, träume ich von einem neuen europäischen Humanismus: »Es bedarf eines ständigen Weges der Humanisierung«, und dazu braucht es »Gedächtnis, Mut und eine gesunde menschliche Zukunftsvision«[10]. Ich träume von einem jungen Europa, das fähig ist, noch Mutter zu sein: eine Mutter, die Leben hat, weil sie das Leben achtet und Hoffnung für das Leben bietet. Ich träume von einem Europa, das sich um das Kind kümmert, das dem Armen brüderlich beisteht und ebenso dem, der Aufnahme suchend kommt, weil er nichts mehr hat und um Hilfe bittet. Ich träume von einem Europa, das die Kranken und die alten Menschen anhört und ihnen Wertschätzung entgegenbringt, auf dass sie nicht zu unproduktiven Abfallsgegenständen herabgesetzt werden. Ich träume von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist, sondern vielmehr eine Einladung zu einem größeren Einsatz mit der Würde der ganzen menschlichen Person. Ich träume von einem Europa, wo die jungen Menschen die reine Luft der Ehrlichkeit atmen, wo sie die Schönheit der Kultur und eines einfachen Lebens lieben, die nicht von den endlosen Bedürfnissen des Konsumismus beschmutzt ist; wo das Heiraten und der Kinderwunsch eine Verantwortung wie eine große Freude sind und kein Problem darstellen, weil es an einer hinreichend stabilen Arbeit fehlt. Ich träume von einem Europa der Familien mit einer echt wirksamen Politik, die mehr in die Gesichter als auf die Zahlen blickt und mehr auf die Geburt von Kindern als auf die Vermehrung der Güter achtet. Ich träume von einem Europa, das die Rechte des Einzelnen fördert und schützt, ohne die Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft außer Acht zu lassen. Ich träume von einem Europa, von dem man nicht sagen kann, dass sein Einsatz für die Menschenrechte an letzter Stelle seiner Visionen stand.

 

[1] Ansprache an das Europäische Parlament, Straßburg, 25. November 2015.

[2] Ebd.

[3] Erklärung am 9. Mai 1950 im Salon de l’Horloge, Quai d’Orsay, Paris.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Rede auf der Europäischen Parlamentarischen Konferenz, Paris, 21. April 1954.

[6] Ansprache auf dem Deutschen Handwerkertag, Düsseldorf, 27. April 1952.

[7] Ansprache beim Welttreffen der Volksbewegungen, Santa Cruz de la Sierra, 9. Juli 2015.

[8] Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate (29. Juni 2009), 32: AAS 101 (2009), 666.

[9] Ansprache beim Welttreffen der Volksbewegungen, Santa Cruz de la Sierra, 9. Juli 2015.

[10] Ansprache an den Europarat, Straßburg, 25. November 2014

 

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Gehen, Ging, Gegangen – ein Buchtipp

cover erpenbeck

Ein lesenswertes Buch und daher heute meine Buchempfehlung. Die Kritiken sind sich uneins, der Spiegel schreibt dazu:

Statt die Geschichten der Geflüchteten in den Vordergrund zu stellen, wird „Gehen, ging, gegangen“ von einem Wohlstandsbürger dominiert, der sich weltoffen und aufgeklärt fühlt und die eigene, von Ressentiments durchsetzte Ignoranz nicht bemerkt. Erpenbecks Roman ist ein klassischer Pressetitel, auf Feuilletons und Preisjurys zugeschrieben; anders gesagt: auf Leser zugeschrieben, die sich in Richard wiederfinden werden.

Eben darum empfehle ich es als gutes Buch zum Verschenken. Denn die kennen wir ja alle (und oft erkennen wir sie in uns): Diejenigen, die voller Ressentiments und naiv gut meinend, trotz ihres Bildungsbürgerniveaus der Ansicht sind, dass wir doch jetzt erstmal das deutsche Volk schützen müssten, wie mir jüngst ein Gemeindevertreter aus Kaufungen sagte. Aber es eben genau so nicht gemeint haben.

Oft höre ich von irgendwelchen Neunmalklugen, dass die Afrikaner doch nicht zu uns kommen sollten, sondern ihre Probleme zu Hause angehen müssten. Dazu sagt Richard, der Protagonist von Jenny Erpenbecks Buch „Gehen, Ging, Gegangen“:

Die Probleme lieber in Afrika lösen. Richard stellt sich einen Moment lang vor, wie ein Erledigungszettel für die Männer, die er in den letzten Monaten hier kennengelernt hat, aussehen müsste.

Während auf seinem eigenen Zettel zum Beispiel stünde

  • Monteur für Reparatur Geschirrspüler bestellen
  • Termin beim Urologen ausmachen
  • Zähler ablesen

würde auf der Erledigungsliste von Koran stattdessen sehen:

  • Korruption, Vetternwirtschaft und Kinderarbeit in Ghana abschaffen

Oder bei Apoll:

  • Klage gegen den Konzern Areva (Frankreich) einreichen
  • neue Regierung in Niger einsetzen, die sich durch ausländische Investoren nicht bestechen oder erpressen lässt
  • unabhängigen Tuareg-Staat Azawad gründen (mit Yussuf besprechen)

Und bei Raschid stünde da

  • Christen und Muslime in Nigeria miteinander versöhnen
  • Boko Haram davon überzeugen, die Waffen niederzulegen.