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Unser Verrat der Menschenrechte

IESM_pixelio.de
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Der Migrationsforscher Kamel Dorai äußert sich in einem interessanten Interview in der Schweizer Tageswoche zum Thema Flüchtlinge. Bemerkenswert und hier dargestellt sind seine Anmerkungen zu den Menschenrechten. Die grundlegende Frage bleibt, ob wir in Europa oder ob die Menschen in Deutschland wirklich an der Bewahrung der Menschenrechte interessiert sind. Laut Dorai sind wir derzeit dabei, unsere Stimme in Sachen Menschenrechte zu verlieren. Und das, weil wir meinen, unseren Wohlstand, den wir zum großen Teil auf Kosten derjenigen, die nun zu uns fliehen, erworben haben, verteidigen zu müssen und dabei eben bereit sind, Werte zu mißachten und zu verraten.

Was sagen Ihre Freunde und Nachbarn in Jordanien über die aktuelle EU-Flüchtlingspolitik?

Sie lachen und fragen: Welche Flüchtlingskrise? 30 Länder – die 28 EU-Staaten plus Norwegen und die Schweiz – haben gemeinsam weniger Flüchtlinge aufgenommen als Jordanien. Fast drei Millionen Menschen, die Hälfte der Bevölkerung Jordaniens, sind Flüchtlinge aus Palästina, Irak oder Syrien. Die Jordanier sehen in den Medien, wie Bootsflüchtlinge im Mittelmeer ertrinken, und fragen sich: Wie konnte es so weit kommen, dass die Staaten, die sich als Verfechter der Menschenrechte gebärden, so etwas zulassen? Abgesehen von den Menschen, die auf der Flucht sterben, ist das für mich die schlimmste Konsequenz der aktuellen EU-Politik. Niemand im Nahen Osten glaubt mehr an Europas Rolle als Hüter der Menschenrechte.

Werden andere Akteure dieses moralische Vakuum füllen?

Ja, zum Beispiel Saudi-Arabien oder Katar. Staaten, die mit Geld um sich werfen und damit ihre eigenen Werte bewerben. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben im Norden Jordaniens mit viel Geld ein makelloses Flüchtlingslager bauen lassen. Die Menschen sehen das; sie merken sich, wer dafür bezahlt hat. Doch mit dem Geschenk ist die Anerkennung bestimmter Werte verbunden; schliesslich hat auch Europa seine Entwicklungshilfe stets an die Wahrung der Menschenrechte gekoppelt. In Zukunft wird Hilfe aber vielleicht nicht mehr an Werte gekoppelt, die Europa wichtig sind.

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